Ronja Maltzahn und die dreadlocks der kulturellen Aneignung

In Deutschland wurde ein Konzert von Ronja Maltzahn in Hannover abgesagt, weil der Veranstalter plötzlich feststellte, dass sie Dreadlocks hatte, und ein weißer Mensch mit Dreadlocks ist in seinem Weltbild nicht erlaubt. Das würde unter den Begriff der kulturellen Aneignung fallen, so die Organisatoren auf ihrer Website, auch nach dem Medienrummel, und zeigen damit, dass sie kaum wissen, was kulturelle Aneignung eigentlich ist.

Nehmen Sie mich zum Beispiel. Einen guten Teil meines Lebens habe ich ein philosophisch-magisches System benutzt, das von den toltekischen Indianern und Azteken entwickelt wurde. Ein durchschnittlicher weißer Herr würde ein solches System aufsaugen, es umetikettieren und als sein eigenes Produkt weiterverkaufen.

Das ist kulturelle Aneignung, und die gibt es wirklich. Das ist unehrlich und unehrenhaft – ein bisschen wie ein Plagiat, bei dem man sich mit den Federn eines anderen schmückt und die Quellen nicht angibt. So sympathisch Wim Hof auch sein mag, er hat das Eisbaden nicht erfunden, und sein Wissen ist einfach ein Mischmasch aus Kneipp und einigen alten Atemtechniken aus dem Himalaya. Ich weiß nicht, ob Wim jemals etwas auf diese Quellen zurückgeführt hat, aber ich habe angefangen, Kneipps Buch zu lesen, weil ich die Quellen von allem recherchiere, und das war eine Lernerfahrung für mich.

Das Wissen, das ich verwende, wurde nicht von weißen Menschen entwickelt. Das ist genau das, was mich als Teenager berührt hat – dieses Wissen ist so anders, es ist eine radikal andere Art, sich unserer Realität zu nähern, ausgehend von der Idee eines Sammelpunkts, der sich bewegen kann. Ich war sehr beeindruckt vom Einfallsreichtum und der Spannung der beschriebenen Philosophie, die auch als Erklärung der Realität durch den Magier bezeichnet wird. Es war eine Erklärung, die ich verstehen konnte und die mir eine reale Vorstellung davon vermittelte, wie das Universum um mich herum funktionierte, etwas, das mir die Langeweilemaschine, die sie “Schule” nannten, nie zu bieten wusste. Zu lernen, den goldenen Rand der Langeweile zu sehen – so beschrieb Nietzsche die Schule, die er als Instrument der Gesellschaft zur endlosen Züchtung von Staatsdienern betrachtete.

Wie kommt es, dass die weißen Universitäten keine Konkurrenz haben? Sie haben diesen Wettbewerb persönlich angezündet. Die riesige Bibliothek der Azteken ging ebenso in Flammen auf wie die Bibliothek von Alexandria. Ein unglaublich schmutziger Trick, um einen ganzen Kontinent zu benachteiligen, und wenn die Menschen immer noch wütend darüber sind, ist das völlig verständlich. Kulturelle Aneignung und kulturelles Erbe sind also durchaus ein Phänomen, und die ehrliche Nennung der eigenen Inspirationsquellen ist das Mindeste, was jeder tun sollte und kann.

Ich bin mit meist farbigen Helden aufgewachsen, Prince, KRS-One – das waren meine Vorbilder. Ein typischer Psyborg-Fehler wäre es jedoch, sich als Farbiger zu identifizieren. So zu tun, als hätte ich eine andere Hautfarbe, weil ich schwarze Vorbilder hatte, ist natürlich indiskutabel und würde mir nur Spott einbringen, aber es ist nicht grundsätzlich anders, als wenn ich verlange, dass alle anderen mich aufgrund meiner eigenen Idolatrie anders ansprechen sollen.

Dies ist auch hier der Fall. Denn wie kann man die Quelle einer Frisur benennen? Muss man sich auf die Stirn tätowieren lassen, dass diese Frisur in Jamaika entstanden ist? Übrigens glaube ich, dass die Aborigines diese Frisur für sich beanspruchen können. Aber diese Nachricht ist ein weiteres hervorragendes Beispiel für die Psyborg-Krankheit: nicht in der Lage zu sein, zwischen Psychologie und Realität zu unterscheiden.

Das Problem ist, dass jeder den Ursprung der Dreadlocks kennt. Es wäre nur dann eine kulturelle Aneignung, wenn die betreffende Person ihr einen anderen Namen geben und so tun würde, als hätte sie die Dreadlocks persönlich erfunden. Das ist kulturelle Aneignung, und wenn man den Begriff nicht einmal versteht, sollte man ihn nicht verwenden, vor allem, wenn man damit beginnt, Menschen zu diskriminieren.

Es ist schon schwer genug für Farbige, sich derer zu entledigen, die sich wirklich verstellen. Ich kann nicht erkennen, wer hinter dieser “Entscheidung” steckt, aber ich denke, dass es oft verängstigte weiße Menschen sind, deren Angstbilder die Realität mit einem Unsinn verzerren, der sie nur zu verzerren weiß.

Mountains, giants and mushrooms – in this fairytale-like collection, magic whirls and swirls, yet another reality breaks through as well – the whole world turned into The Shining, and the pilgrimage to Szymborska’s grave, a simple stone in Krakow, fails at the last minute; a journey without check marks across sixteen national borders to his daughter, however, succeeds. In its combination of fairy-tale nature, historical background and eerily topical reality, this collection of poems is Benders’ best since he lost count.

 

You have no time to read this, but that is because you are no longer human. If something of the original person were still alive in you, the old mycelia of childhood, then you would learn a lot from this book, indeed, with its magical knowledge, it might become your most useful possession. A book about the human imagination, and how it managed to get into the iron grip of trans-dimensional cockroaches. Furthermore, there are also magical tips to substantially improve your life and your time acceleration, and M.H.H. Benders also makes light-hearted mincemeat of the entire Dutch literature, what more could you want!

If you don’t want to crawl around mars like a cyber insect under a scrubbed boot – which is on the agenda – then you’d do well to read this book.

The first collected work of Martinus Hendrikus Hogervorst-Benders comprises no fewer than 712 pages and weighs in at least 1.4 kilos in thin print. It is the most ambitious collection written in the last thirty years, and certainly one of the highlights of Dutch literature as a whole, in line with Snoek and van de Woestijne. Anyone with a heart for literature and who wants to read an ambitious book brimming with cast-iron poems instead of yet another typical Dutch-language ‘masterpiece’ will be delighted with the purchase of this brick.

The Microdose Bible is the worlds most comprehensive and complete oversight of mind altering substances, teacher plants and mushrooms. Dutch mycologist and philosopher M.H.H.Benders takes you on a magical journey full of wonder about what teachers nature has to offer. Includes the Psychosupersum, a guide that describes all known mental disorders and offers wisdom for their treatment. 

This book will be published end of 2022.